Meide Getreide

"Meide Getreide - Raus aus der Schmerzfalle" heißt das neueste Werk von Dr. Peter Osborne. Und darin hat er ähnlich wie William Davis in "Weizen-Wampe" einen Schuldigen für einen Großteil der heutzutage so verbreiteten Volksbeschwerden ausgemacht. Anders als Davis geht Osborne aber noch einen Schritt weiter. Denn nicht nur Weizen oder glutenhaltiges Getreide stehen da im Fokus, sondern gleich jede Form von Getreide soll gemieden werden. Und bei der Lektüre des Buches erklärt er auch, warum dieser Ansatz zumindest nicht einfach so aus der Luft gegriffen ist, aber gehen wir der Reihe nach.

Der Fokus von Dr. Peter Osborne's Arbeit liegt auf Schmerzen und Entzündgungen, bei der er wiederholt auf Menschen trifft, die auf den anderen Pfaden der Schulmedizin zuvor nicht erfolgreich behandelt werden konnten. Ob Migräne-Kopfscherzen, chronische oder akute Gelenk- oder Muskelschmerzen, aber auch Haut- und sogar Nervenprobleme, all diese Probleme bringt er mit der Aufnahme von Getreide in Verbindung. Das Buch gliedert sich in 4 Teile.

In einem ersten Teil wird ausführlich und fachlich hinterfüttert auf die Hintergründe des Meide-Getreide-Ansatzes eingegangen. Der Leser erfährt hier viel über Nährstoffe aber auch schädliche Inhaltsstoffe verschiedener Lebensmittel. Ebenso widmet er sich der Nahrungsaufnahme und den physiologischen Zusammenhängen. Über diesen ersten Teil erfährt der Leser, dass nicht die altbekannten glutenhaltigen Getreide (wie Hafer, Roggen, Weizen, Gerste) sondern genaugenommen alle Arten von Getreide (auch z.B. Reis und Mais) schlecht für den Körper sind. So spielt für Osborne auch weniger Zöliakie oder Glutenunverträglichkeit eine Rolle als vielmehr eine Glutensensitivität, die laut seiner Aussage weitaus mehr Menschen betrifft als die im Vergleich weniger verbreitete Zöliakie.

Im zweiten Teil steht die Ernährungsumstellung auf dem Programm. In einem eigens entwickelten 30 Tage-Programm werden nach und nach alle problematischen Lebensmittel aus dem Ernährungsplan gestrichen und mit Alternativen ersetzt. Und was man da so liest, hört sich stark nach Paleo an. Es wird auf Getreide jeglicher Art in zwei Schritten verzichtet. Auf Hülsenfrüchte wird ebenso verzichtet wie auf Zucker und Milchprodukte. Außerdem werden Lebensmittel nicht einfach nur mit glutenfreien Alternativen ersetzt, sondern auch die Herkunft der einzelnen Lebensmittel steht im Fokus. Wenn möglich sollten diese bio sein; tierische Produkte müssen von der Weide kommen oder besser noch wild sein. Wem Paleo nicht fremd ist und auch nicht schwer fällt, der sollte hier keine großen Überraschungen finden.

Der dritte Teil gibt einen kleinen Einblick in die funktionelle Medizin und Osbornes eigentliches Tätigkeitsfeld. Denn "Meide Getreide" ist zwar schön und gut, aber wie es scheint nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte dieser Wahrheit liegt in unseren Genen und einer testbaren Disposition Gluten verarbeiten zu können.

Ein vierter Teil bringt dem Leser Rezepte nahe um einen Einstieg in das getreidefreie Kochen zu bekommen. Schön bebildert, abwechslungsreich und mit Bezug zur Ernährungsumstellung im Sinne des Plans.

Viel zu kritisieren gibt es an Osborne's neuem Buch "Meide Getreide" nicht, zumal jedes Kapitel mit einem Quellenverzeichnis daher kommt, das sich sehen lassen kann. Die gebetsmühlenartig wiederholte Phrase "Meide Getreide" klingt zwar spätestens nach dem 4 Mal ein wenig abgedroschen, aber es ist ja klar, dass Osborne voll und ganz hinter seinem Konzept stehen muss und wer heilt hat ja bekanntlich auch Recht. So ganz möchte sich aber nicht das Gefühl einstellen, dass der Grundsatz, einfach nur Getreide zu meiden der einzige Schlüssel zur Linderung ist. So wird in fast jedem Erfahrungsbericht davon gesprochen, dass der Betroffene nicht nur auf eine strickt glutenfreie Ernährung umgestellt wurde, sondern in bestimmten Tests außerdem die (sozusagen genetische) Verträglichkeit verschiedenster anderer Lebensmittel getestet wurde. Und diese Tests sind es wiederum mit denen Osborne unter anderem Geld verdient. Aber jeder darf das für sich selbst einordnen.

Ebenfalls nicht unkritisch darf meiner Ansicht nach der Ernährungsplan betrachtet werden. Hier findet sich vergleichsweise viel Fleisch. Abgesehen davon, dass wir heutzutage im normalen Supermarkt kaum die Möglichkeit haben qualitativ hochwertiges Fleisch zu kaufen, geht diese Zutat doch auch ordentlich ins Geld. Und es ist zu bezweifeln, dass jeder der die Ernährung nach dem Meide Getreide 30 Tage-Programm umstellt auch wirklich so strikt darauf achtet. Und jedes Ernährungsprogramm ist doch irgendwie auch nur so gut wie es sich umsetzen lässt.

Unterm Strich sicher ein lesenswertes Buch, das über den glutenfrei-Tellerrand hinausblickt und interessante Ansätze mit ins Spiel bringt. Wer mit einer langen Leidensgeschichte nach wie vor auf der Suche nach Linderung ist, für den empfiehlt sich vielleicht auch eine Ernährungsumstellung im Sinne des Autors.