Kann Spuren von Gluten enthalten

“Kann Spuren von Gluten enthalten.” Ein Hinweis der sich heutzutage auf etlichen Lebensmittelverpackungen finden lässt und doch irgendwie mehr Verwirrung stiftet, als dass er behilflich ist.

Um zu verstehen weshalb sich dieser Hinweis so sehr verbreitet hat, muss man zurückgehen in das Jahr 2005, genauer den 25. November 2005. Mit diesem Datum wurde die Kennzeichnung allergener Inhaltsstoffe (u.a. glutenhaltige Getreide, Krebstiere, Eier, Fisch, Erdnüsse) in der europäischen Gemeinschaft verpflichtend. Hört sich erst einmal nach einer richtigen und vor allem für Allergiker wichtigen Neuerung an, die seitdem auch mein Leben als Zöli leichter und sicherer gemacht hat. Und grundsätzlich könnte man auch meinen, dass man damit doch aus dem Schneider ist. Alles was Probleme macht (zumindest alles was laut den EG-Richtlinien 2003/89/EG und 2006/142/EG Probleme macht) muss angegeben werden - Ende der Geschichte!? Wenn es da nicht diesen Zusatz “Kann Spuren von … enthalten” gäbe.

Genannt werden in diesem Zusammenhang oft Allergene wie Nüsse, Milch, Weizen oder Gluten, also eigentlich Allergene die per Zutatenliste eindeutig ausgewiesen werden müssten. Wozu da also noch auf Spuren hinweisen? Ganz einfach, Spuren sind keine Zutaten (laut Rezept), sondern eben nur Spuren die (versehentlich) in das Endprodukt gelangen könnten - z.B. im Rahmen des Produktions- oder Transportprozesses. Wird z.B. eine Produktionsstraße sowohl für die Herstellung glutenfreier als auch glutenhaltiger Produkte genutzt, kann in vielen Fälle eine Kontamination nicht zu 100% ausgeschlossen werden und der Hersteller versucht sich mit dem Hinweis, auf das möglicherweise ins Produkt gelangte Allergen, abzusichern. Ein Hinweis also der in den meisten Fällen vermutlich im Zusammenhang mit der Produkthaftpflicht der Hersteller zu sehen ist, die nicht garantieren können (oder wollen?), dass ihre Produkte frei von Gluten, Nüssen, Weizen, … sind.

Und was die Rechtsabteilung des herstellenden Unternehmens begrüßen wird, stiftet unter Verbrauchern unnötig Verwirrung, denn laut Rezeptur/Zutatenliste ist das Allergen nicht enthalten. Und so liegt unterm Strich die Entscheidung, ob man ein derart gekennzeichnetes Produkt kauft oder lieber eine Alternative ohne Hinweis oder sogar lieber ein als glutenfrei ausgewiesenes Produkt sucht, bei jedem selbst. Ich persönlich greife - sofern denn vorhanden - lieber zu den Alternativen.

Linktips:

Nachdruck eines Artikels aus der Deutschen Lebensmittel-Rundschau mit zahlreichen zusätzlichen Informationen zur Kennzeichnung von Lebensmitteln:
http://www.wissensforum-backwaren.de/fachwissen/fachwissen-baecker/lebensmittelrecht/2005/allergenkennzeichnung.html

Suchfunktion innerhalb der EU-Veröffentlichungen - hier sind alle EG-Richtlinien im Original zu finden:
http://eur-lex.europa.eu/homepage.html?locale=de