Ab auf die Insel - glutenfrei im Paradies

Der Hype um die glutenfreie Ernährung nimmt derzeit ungeahnte Ausmaße an, wie derzeit die "Gluten-Free Campaign" eindrücklich unter Beweis stellt.

"The Gluten-Free Campaign, is a social enterprise movement dedicated to creating the world´s first gluten-free island and hotel group" heißt es da. Und das allein hört sich ersteinmal nicht so verkehrt an. Welcher Zöliakie-Betroffene würde nicht gern einfach mal zu 100% unbeschwert sein Essen im Hotel oder Restaurant genießen, ohne dass eine Rest-Unsicherheit bestehen bleibt, die Küche könnte die Speisen während der Zubereitung kontaminiert haben. Denn eine Kontamination ist schneller geschehen als man denkt. Hier ein unbedachter Handgriff mit mehligen Händen, dort einige Krümel auf der Arbeitsplatte oder der Saucen-Löffel aus dem anderen Topf. Kein Frage, ich wäre der erste der einen Urlaub auf der glutenfreien Insel buchen würde... wenn ich es mir denn leisten könnte. Und da könnte der Haken an der genannten Kampagne und den geplanten Resorts liegen. Denn liest man die hochtrabenden Worte der Kampagnen-Urheber stellt sich schnell das Gefühl ein, dass es sich da um ein Projekt für den etwas betuchteren Gast handeln könnte - was natürlich nicht heißt, dass wir uns da nicht eines Besseren belehren lassen ;-)

Aber noch ein weiterer Aspekt im Zusammenhang mit dieser Kampagne ist mit Vorsicht zu genießen; nämlich die Interpretation und Position der Zöliakie in den öffentlichen Medien. Natürlich sorgt die Ankündigung einer "glutenfreien Insel" inklusive Spendenaufruf für ein ordentliches Medienecho, doch liefert Sie auch Futter für diejenigen, denen der ganze Nahrungsmittelunverträglichkeits-Hype langsam zu viel wird. So erwähnt, der Spiegel zwar die Notwendigkeit sich als Mensch mit Zöliakie glutenfrei zu ernähren, lässt aber die Erwähnung belächelter Produkte wie glutenfreiem Hundekuchen oder glutenfreier Körperlotion nicht aus. Und das dürfte dazu führen, dass viele die von dieser Aktion hören wohl nur mit dem Kopf schütteln und sie demnächst als ein weiteres Argument anbringen, wenn es darum geht wie unsinnig doch der Hype um die Nahrungsmittelunverträglichkeiten geworden ist.